25 Jahre Mobilfunk bei der Landeshauptstadt München

Am 21. Mai feierten wir 25 Jahre Mobilfunk bei der Landeshauptstadt München. Die Veranstaltung startete eher ungewöhnlich: Nach einem kurzen Rückblick, erlebten die rund 70 geladenen Gäste aus Verwaltung und Politik eine gehörige Kommunikationspanne. Ausgerechnet, als die Gastgeber die schöne neue IT-Welt präsentierten. Was war da los im ehrwürdigen kleinen Sitzungssaal des Rathauses?

Doch erst mal von vorn

1994 ging es los: Erste VIPs der Stadtverwaltung wurden mit Handys ausgestattet. Von Anfang an und über all die Jahre hinweg wurde der technische Fortschritt kontrovers diskutiert. Moderatorin Daniela Freitag hatte dazu eine Schlagzeile zwischen Satire und Ernst aus dem Jahr 2010 mitgebracht:

„Cyber Space: die schöne neue Welt. Der Computer nimmt den Menschen nicht nur die Arbeit ab, sondern auch die Arbeitsplätze.“

Doch grundsätzlich waren technische Entwicklung und mobilen Geräte heiß begehrt Man erkannte schnell die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. „Immer online“ wurde zum Statussymbol.

Vom Privileg für Wenige zum Dauerbegleiter für Viele

Grafik der stadtinternen Mobilfunkanschlüsse bis 2018

Entwicklung der Mobilfunkanschlüsse stadtintern

Bernhard Parringer war lange Jahre für den Bereich Netzwerk und Telefonie verantwortlich. Auf dem Event beschrieb er eine ausnahmslos nach oben zeigende Kurve der stadtinternen Anschlusszahlen. Und er hatte dabei einige Highlights mitgebracht:

  • Als erste Kommune schloss die Stadt München 1998 einen Rahmenvertrag für eine mobile Infrastruktur mit Anbindung ans Festnetz. Dadurch war und ist jedes Diensthandy von den städtischen Telefonen über eine fünfstellige Kurzwahl erreichbar.
  • Die Rechnungen füllten anfangs ganze Wäschekörbe: Für jeden Anschluss ein Kuvert.
  • Im Jahr 2000 waren 1.500 Anschlüsse erreicht. Der Behördenfunk von Branddirektion und Polizei wurde in den Support mit aufgenommen.
  • Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in München 2006 stieg der Bedarf an mobilen Endgeräten stark an. Auch Satellitentelefone wurden ausgegeben.
  • 2012 starteten erste mobile Services für die ehrenamtlichen Stadträte: E-Mail, Kontakte und Kalender auf Tablets.
  • Heute gibt es rund 18.000 stadtinterne Mobilfunk-Anschlüsse. Tendenz weiter steigend.

Notrufsäule auf Wanderschaft

Das Serviceteam hat laut Bernhard Parringer über die Jahre allerhand Geschichten gesammelt. Nicht wenige drehen sich um das tragische Ende der mobilen Begleiter: Der Sturz in die Spalte zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn oder ein Handy, das versehentlich vom Friedhofspersonal mit vergraben wurde.

Und dann war da noch die Notrufsäule, die für ihren Daseinszweck absurd hohe Verbindungskosten verursachte. Weil sie, so die Nachforschungen, scheinbar durchs Land wanderte und dabei viel telefonierte. Des Rätsels Lösung: Ein Dieb hatte die SIM-Karte geklaut. Die De-Aktivierung beendete das illegale Treiben.

Der „Pannen-Vortrag“ zum mobilen Arbeiten

Präsentator Sebastian Meusel und hinter ihm die Leinwand mit Bild des Anrufers

Sebastian Meusel während der Präsentation

Sebastian Meusel präsentierte den aktuellen Stand der Mobilität bei der Landeshauptstadt. Als Leiter des Bereichs „Mobile Services“ machte er das elegant über sein Smartphone. Bis dieses plötzlich während des Vortrags klingelte. Und auf der Wand waren nicht mehr schöne Infografiken, sondern ein freundliches Gesicht und eine Info zu sehen: „Sebastian Randig ruft an …“

Anstatt den Anruf schleunigst abzulehnen, meint Sebastian Meusel entschuldigend: „Oh je, das ist dringend. Da muss ich ganz schnell mal rangehen.“

Es meldete sich der Kollege Sebastian Randig mit den Worten: „Hi, wir müssen unbedingt noch mal über die Folien sprechen. Die kann man so auf keinen Fall zeigen!“

Sebastian Meusel: „Aber ich bin schon mitten drin.“

Nach der Verwunderung die Erkenntnis, die „Panne“ ist Teil der Inszenierung. Kurz darauf kommt der „zufällig“ um die Ecke stehende Anrufer herein geeilt. Die beiden arbeiteten über Smartphone und elektronischem Whiteboard live an den Folien. Eine gelungene Live-Demo für mobile Kooperation und die Möglichkeiten moderner Technik. Zugleich brachten beide Wissenswertes über die mobile Kommunikationsoffensive bei der Landeshauptstadt an, inklusive gute Tipps zur Foliengestaltung.

Für das Mobilfunk-Team gab es viel Applaus für die gelungene Performance und das tolles Engagement über viele Jahre hinweg!

Mobilfunk als Treiber von Innovation

Reiner Louis, Unternehmenssprecher des ComputaCenter und Mitglied im Bitcom-Vorstand, war anschließend aufgefordert, einen Blick in die Zukunft zu werfen, und hatte eine klare Botschaft:

„Vor zehn Jahre hätte ich Ihnen tolle, fancy Devices versprochen. Aber heute? Keine großen Neuigkeiten in Sicht.
Das entscheidende Thema ist ein anderes: Wie gehen wir mit den Möglichkeiten um, die uns die Technik bereits heute bietet?“

Dabei sind die Ansprüche hoch, so Reiner Louis: Viele Bürgerinnen und Bürger erleben praktische, kundenorientierte und schnelle Service von Amazon, Google & Co. Den wünschen sie sich auch von der Verwaltung. IT-Referent Thomas Bönig umrahmte das Programm dahingehend mit seiner strategischen Perspektive:

„Der Mobilfunk ist eine tragende Säule der Digitalisierung und wichtiger Treiber von Innovation. Wir wollen diese Potenziale ausschöpfen und für unsere Bürgerinnen und Bürger immer besser werden. Nur so kann München Standards setzen und eine führende Rolle als digitale Metropole übernehmen.“

Wer noch Lust auf eine weitere kleine Zeitreise hat: Der fingierte Jahresrückblick 1994 der ARD, Quelle des ersten Zitats zum Cyber Space, klärt über Bedenken und Ängste der Digitalisierung auf.

Team E- und Open-Government der Landeshauptstadt München

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