Open Government Tag 2016 – Die Zeichen stehen auf Veränderung

Partizipation und Bürgerbeteiligung, Mitarbeiterbeteiligung und Innovation, Open Data und Transparenz, Social Media und offene Behörden-Kommunikation, digitale Verwaltungsprozesse und Smart Government. Dies sind alles Schlagworte des diesjährigen Open Government Tages in München und gleichzeitig deutliche Zeichen dafür, das sich in den Verwaltungen, Behörden und Amtstuben der Republik etwas ändert. Ändern muss. Ändern wird.

Impulse für eine moderne Kommune

Open Government Tag 2016

Open Government Tag 2016 by Jenny Ruhland

Bereits das 4. Jahr hatte die Landeshauptstadt München im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Open Government Tag eingeladen. Das Motto „Offenheit, Partizipation und Digitalisierung – Impulse für eine moderne Kommune“ weckte großes Interesse, denn bereits  Wochen vorher war die Veranstaltung aus- und überbucht.

Am 27. Oktober 2016 ging es dann los und 180 Gäste sind der Einladung gefolgt. Ein neuer Teilnehmer-Rekord. Dennoch wäre Platz für mehr Besucher gewesen. Die ca. 30 freien Plätze ohne vorherige Stornierung sind vor allem aufgrund der langen Warteliste sehr schade.

Erstmals fand als gelungene Anpassung des Formates der Open Government Tag an einem, statt an zwei Tagen statt. Zudem wurde die Netzwerkveranstaltung auf den Vorabend verlegt. Für 2017 sehen die Planungen weitere Veränderungen in Richtung Diskussion und Austausch vor.

Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt: Neben Verwaltungspersonal aus der DACH-Region nahmen Vertreter aus Forschung, Politik, IT und Wirtschaft teil. Und es konnten auch 2016 wieder hochkarätige Referenten gewonnen werden.

Als Zusammenfassung hier unser Trailer zum Open Government Tag 2016, welchen Philipp von Derschau (Instagram) zusammengestellt hat:

Veränderung als Chance begreifen

Los ging es mit Stadtrat Dr. Florian Roth, der den Oberbürgermeister der Stadt München vertrat. Sein Appell an die Verwaltung, sich zu öffnen und die Chancen der Bürgerbeteiligung zu ergreifen, leitete die Veranstaltung trefflich ein. Dazu nannte er Beispiele für das enorme Einsparpotential durch Digitalisierung und offene Verwaltungsdaten.

Dr. Roth benannte konkret drei wesentliche Chancen: Transparenz mindert Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Verwaltung und Politikverdrossenheit. Es entsteht Vertrauen, dass dringend benötigt wird, um Veränderungen gemeinsam anzugehen. Partizipation bedeutet die Bürgerschaft als Partner für die Daseinsvorsorge zu begreifen. Darüber hinaus kann der digitale Wandel zu einer effizienten und transparenten Verwaltung beitragen.

CitizenPoweredCity

Dr. Elke Löffler

Dr. Elke Löffler by Christian Müller

Mit Dr. Elke Löffler konnte eine Expertin für Bürgerbeteiligung, Open Government und kooperative Stadtentwicklung als Keynote-Speakerin des Open Government Tages gewonnen werden. Als Geschäftsführerin von Governance International stellte sie ihren Vortrag anhand von Fallstudien in ein europäisches Licht. Durch gezielte Fragen regte sie zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch an, was die Keynote erfrischend lebendig machte.

Sketchnote Dr. Löffler

Sketchnote Dr. Löffler by Jenny Ruhland

Hinter dem Titel „CitizenPoweredCity“ verbirgt sich unter anderem die Frage: Wem „gehört“ die Stadt? Die Antwort scheint einfach: Den Bürgern. „Daseinsvorsorge“ heißt das im Behördendeutsch. Dr. Löffler stellte klar, dass wenn der öffentliche Dienst der Öffentlichkeit dient, es keinen Grund gibt, diese nicht auch am Verwaltungshandeln zu beteiligen. Partizipation und Dialog bieten für alle Seiten Chancen. CitizenPoweredCity bedeutet darüber hinaus aber auch Koproduktion und Mitentscheiden im Sinne einer „WerkStadt“.

Social Media ist keine „Amtstafel 2.0“

Polizeioberrat Marcus da Gloria Martins

Polizeioberrat Marcus da Gloria Martins by Michael Nagy

Unter dem Stichwort „Bürgerkommunikation“ fand Polizeirat Marcus da Gloria Martins deutliche Worte: Wenn eine Behörde soziale Medien nutzen will, dann nicht mit der Absicht, dass die selben Pressemitteilungen wie zu Zeiten der Amtstafel nun über neue Kanäle verbreitet werden. Social Media heißt vielmehr tatsächlich mit den Bürgern zu kommunizieren und ansprechbar zu sein.

Die zahlreichen themenfremden Anfragen auf den Profilen der Polizei zeigen, dass dies in München nicht der Fall ist. Eine Weiterleitung an die zuständige Behörde ist schlicht nicht möglich, da es keine entsprechenden Profile gibt bzw. diese nicht hinreichend bedient werden. Ohne Zweifel beschreibt er damit keine spezielle Münchner, sondern eine deutschlandweite Ist-Situation.

Da Gloria Martins stellte aber neben diesen Herausforderungen anhand vieler Beispiele auch die Chancen der Social Media Nutzung heraus. Den offiziellen Profilen der Behörden wird vertraut. Dies ist ein probates Mittel um Spekulationen zu vermeiden und Vertrauen zu schaffen. Der Social Media Einsatz darf daher nicht zum Selbstzweck erfolgen. Vielmehr bestimmen Strategie, Zielgruppe und Content das Medium. Dass für die nötige Responsiveness ausreichend Personal vorhanden sein muss, versteht sich von selbst. Insgesamt war sein Vortrag ein ruhig vorgetragenes, aber dennoch glühendes Plädoyer für die Nutzung neuer Wege in der Behördenkommunikation.

„Wir sind die anderen“ – oder – Transparenz spart Arbeit

Welche Behörde kennt sie nicht, die Anfragen und Anträge aus Bevölkerung und Politik. Viele Verwaltungen sehen oft nur die damit verbundene, massive Arbeitsbelastung. Mit Maximilian Richt und Stefan Kaufmann geben Mitglieder der Open Knowlege Foundation Deutschland einen Einblick in Motivation, Umsetzung und Erfolge ihrer Projekte „Frag den Staat“ und „Kleine Anfragen“ , die es den Bürgern ermöglichen, ihre Fragen an die Verwaltung zu adressieren.

Deutlich wurde, dass wenn die Verwaltung nicht von sich aus offen ist, Transparenz eingefordert wird. So oder so kommen die Informationen ans Licht. Nur zeugt freiwillige Transparenz einer Behörde nicht nur von Begegnung mit der Bevölkerung auf Augenhöhe, sondern bedeutet durch das geplante Vorgehen auch noch deutlich weniger Aufwand. Ein unüberhörbarer Aufruf zur transparenten Verwaltung.

Partizipation als Öffnung nach Innen und Außen

Sketchnote Kleber

Sketchnote Kleber by Jenny Ruhland

Parallel zeigte Julia Kleber, dass die E-Partizipation von Bürgern Sinn macht und die Angst der öffentlichen Verwaltung vor einem Shitstorm übertrieben ist. Vielmehr würde ein Großteil der Bevölkerung der Verwaltung und der Politik mehr vertrauen, würden diese mit den Bürgern stärker elektronisch über politische Prozesse kommunizieren. Daher machen die Bürger sehr wohl mit, wenn sie beteiligt werden.

Auch Christoph Gernhäuser beschäftigte sich mit der Partizipation. Allerdings innerhalb der Behörde. Dort nennt man das dann Mitarbeiterbeteiligung. Die Ängste von Führungskräften sind aber die selben. Gernhäuser machte klar, dass eine Beteiligung der Mitarbeiter deren Motivation und die Akzeptanz von Entscheidungen fördern kann. Darüber hinaus besteht die Chance, das Wissen der Beschäftigten zu nutzen.

Wenn die Landeshauptstadt München
das Wissen aller ihrer Mitarbeiter nutzen könnte,
dann wäre sie dreimal so effizient.

Sketchnote Gernhäuser

Sketchnote Gernhäuser by Jenny Ruhland

Um dort hinzukommen, ist die Nutzung von Social Media bei der internen Kommunikation viel effektiver und effizienter als eine Mitarbeiterbefragung. Die sozialen Medien bieten einen offenen Dialog in einem hierarchiefreien, in den Grenzen des Unternehmens abgeschlossenen Raum. Nur dort sind die Mitarbeiter bereit, ihr wertvolles Wissen preiszugeben. Unabdingbar für den Erfolg von Mitarbeiterbeteiligungen ist zudem das Leistungsversprechen. Gemeint ist die Zusage, dass mit den Beiträgen der Beschäftigten etwas Konkretes passiert.

#OGTM16 – Open Government im Trend

Nach diesem Input gab es beim Mittagessen Zeit, sich auszutauschen, das Gehörte zu diskutieren und sich zu vernetzten. Ein guter Zeitpunkt, ein Blick auf die Twitterwall zu werfen: 147 Twitteraner mit 561 (Re)Tweets drehten den Hashag #OGTM16 in den Trend.

Der Open Government Tag ist damit eine der wenigen Veranstaltungen des öffentlichen Dienstes, dem das gelungen ist. Folgender Tweet hat dabei die meisten Reetweets und Likes erhalten. Vielen Dank!

Christian Müller vom Team E- und Open-Government nutzte die Pausen, um die Gäste nach ihrer Motivation für die Teilnahme am Open Government Tag zu fragen und ein erstes Feedback einzuholen. Sehr erfreulich war die große Bereitschaft der Befragten Auskunft zu geben, wofür wir uns als Organisatoren herzlich bedanken möchten.

So haben wir erfahren, dass  „das Netzwerken“, „das Finden neuer Ideen“ und  „das informiert werden“  die bestimmenden Beweggründe für die Teilnahme an der Veranstaltung sind. Themenecken, an denen anwendbare Lösungen diskutiert werden können, würden dazu noch stärker beitragen. Gefragt nach dem bisherigen Gesamteindruck wurden die Referenten und deren Vortragsinhalte sehr gelobt. Besondere Erwähnung fanden die Beiträge, die „interaktive“ Elemente enthielten, wie beispielsweise die Keynote.

Zusammen mit den Ergebnissen der elektronischen Befragung aller Teilnehmer im Nachgang der Veranstaltung wird sich das E- und Open-Government Team mit diesem Feedback auseinandersetzen und für 2017 weiter an einer Optimierung des Veranstaltungsformats arbeiten.

Die Digitalisierung kommt. Garantiert

Prof. Manfred Broy

Prof. Manfred Broy by Christian Müller

Prof. Manfred Broy startete in das Themenfeld „Digitalisierung“ mit einem Abriss der aktuellen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf das Verwaltungshandel. Er betont, dass München digitaler Herd Europas und Standort mit der stärksten digitalen Infrastruktur und Wirtschaft ist. Es gilt diese Führungsposition ausbauen –  auch innerhalb der Verwaltung. Wenn der öffentliche Dienst nicht von sich aus gute digitale Dienstleistungen anbietet, besteht die Gefahr, dass private Unternehmen sich Teile der Aufgaben des öffentlichen Dienstes bemächtigen und daraus ein Geschäft machen. Dies gilt es zu verhindern.

Jan Tiessen stellte anschließend passend zur Thematik den Trendreport „Smart Government“ vor. Nicht zu überhören war bei beiden Referenten, dass die Digitalisierung bereits Einzug in Privat- und Arbeitsleben gehalten hat. Die öffentliche Verwaltung darf nicht noch länger warten, um darauf zu reagieren.

Tue Gutes und date darüber

Open Data war Thema der vierten Session an diesem Tag. Zum einen erläuterte Dr. Matthias Stürmer den Stand von Open Data in der Schweiz, bevor Robert Schöffel vom Bayerischen Rundfunk zeigte, wie Datenjournalismus funktioniert. Beide Referenten illustrierten an Beispielen, wozu die Daten der Behörde genutzt werden können – wenn sie denn öffentlich verfügbar wären.

Quo Vadis offene Verwaltung

Ein Tweet von den Open Government Tagen 2014 war Auslöser für die der Podiumsdiskussion zugrunde liegende Frage, was Hindernisse und Herausforderungen einer offenen Verwaltung sind.

PinnwandViele Teilnehmer beteiligten sich und schrieben ihre Meinung auf. Als größtes Hindernis wurde – wie auch in den Vorträgen mehrfach angeklungen – die Angst der Entscheider vor Veränderung oder Machtverlust genannt. Daneben spielen fehlende Kompetenzen in den Behörden und mangelnde Innovationsbereitschaft eine Rolle.

Manfred Klein moderierte das Gespräch zwischen Dr. Elke Löffler, Dr. Daniela Rothenhöfer, Dr. Matthias Stürmer und Klaus Illigmann und streute diese Einschätzung der Teilnehmer immer wieder mit ein. Das Thema Angst griff unter anderem Dr. Rothenhöfer auf und stimmte zu, dass die offene Verwaltung weniger ein technisches Thema, sondern hauptsächlich eine Frage der Kultur in den Behörde ist. Dr. Löffler zeichnete einen Weg, diese Kultur zu verändern: Da niemand einen One Best Way kennt, ist es richtig, Dinge auszuprobieren und Fehler machen zu können. Schlimm wäre nur eines: Den selben Fehler zweimal zu machen.

Sketchnote Podiumsdiskussion

Sketchnote Podiumsdiskussion by Jenny Ruhland

Auch Klaus Illigmann mahnte an, Innovation zuzulassen. Die Verwaltung ist hier durch interne Prozesse noch zu langsam. Neben dem Aufbau von digitalen Kompetenzen bedarf es zudem einer Vision und strategischen Ausrichtung zum Thema Open Government. Einig waren sich alle, dass auch wenn es noch keine flächendeckende Umsetzung der offenen Verwaltung gibt, schon viele innovative Ideen und Lösungen existieren. Hier gilt es von einander zu lernen.

Aus dem Publikum kam abschließend das mitreißendes Statement, nicht auf Vorgaben der EU oder des Bundes zu warten, sondern die digitale, offene Verwaltung bereits im Kleinen umsetzen. Einfach in der eigenen Behörde anfangen! Ein schönes Schlusswort der Veranstaltung.

Machen!

Zusammenfassend macht der Open Government Tag 2016 deutlich, dass Kommunikation, Partizipation, Smart-, E- oder Open-Government nicht zum Selbstzweck stattfinden, sondern Bestandteil der Daseinsvorsorge sind, indem sie die Bürger in den Mittelpunkt stellen. Die Digitalisierung zeigt neue Möglichkeiten und Bedürfnisse auf, beschleunigt diesen Prozess aber auch. Wie Stadtrat Florian Roth bei seiner Begrüßung schon sagte, ist dies nicht allein ein verwaltungstechnisches, sondern vor allem ein politisches Thema. Es bedarf des entsprechenden Willens in der Politik. Als Fazit kann außerdem festgehalten werden, dass die offene Verwaltung keine Fiktion ist. Es gilt, von den vielen guten Beispielen zu lernen.

Wir freuen uns auf den OGTM17

Das Team E- und Open-Government bedankt sich nochmals bei allen Referenten, die ein kleines Geschenk mit dem von Jenny Ruhland (Tumblr, Xing) designten Logo des OGTM16 erhalten haben. Wir danken natürlich auch allen Teilnehmern für den angeregten Austausch!

Alle Vorträge wurden gefilmt und sind auf unserem Youtube-Kanal zu finden.

Live-Mitschnitte der Vorträge

Die Präsentationen werden auf unserem Slideshare-Account veröffentlicht.

Foliensätze der Vorträge

Weitere Informationen z.B. Wissenswertes über die Referenten finden sie unter www.muenchen.de/eogovernment

Wir bedanken uns zudem beim CCC München und Andreas Hubel für die Unterstützung mit einer professionellen Kamera-Anlage, bei Philipp von Derschau für das Foto- und Videomaterial und bei Jenny Ruhland für ihre Sketchnotes. Vielen Dank dafür. Eine Auswahl der Bilder finden sie hier:

 

Ein persönliches Dankeschön geht an alle Unterstützer und Helfer aus dem Team E- und Open-Government.

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Beste Grüße aus München! Bis zum nächsten Jahr!

Team E- und Open-Government der Landeshauptstadt München