Das „Goldene Staffelholz“ – Gemeinsam Großes bewirken in Wien

Wie arbeiten Kollegen_innen der unterschiedlichen Fachrichtungen in großen Organisationen zusammen? Wie werden Informationen weitergeben und Innovationen geteilt? Unser Kollege, Dr. Stefan Döring, gibt als Jurymitglied für das „Goldene Staffelholz“ der Stadt Wien eine Antwort darauf.

Das „Goldene Staffelholz“ der Stadt Wien

Hallo Stefan. Erzähl uns doch zunächst, wie es dazu kam, dass Du als Kollege des Projektes E- und Open Government der Stadt München Jurymitglied der Stadt Wien geworden bist.

Liebe Lisa, das ist schnell erzählt: Ich habe Frau Dr. Martina Schmied, Personal- und Magistratsdirektorin der Stadt Wien, gebeten, auf unserem diesjährigen Open Government Tag zu sprechen. Zum einen, weil Wien viele wichtige Schritt in Richtung Digitalisierung gegangen ist. Zum anderen, weil mich der dort etablierte Veränderungsprozess interessiert hat.

Frau Dr. Schmied hat gleich zugesagt. Im Gegenzug hat sie mich direkt eingeladen, einen Sitz in der Jury für das „Goldene Staffelholz“ der Stadt Wien zu übernehmen. Das hat mich sehr gefreut.

Was genau ist das „Goldene Staffelholz“?

Das „Goldene Staffelholz“ ist ein jährlicher Wettbewerb innerhalb der Stadtverwaltung Wien. Unter wechselnden Themenstellungen können die Beschäftigten ihre Projekte einreichen. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit innerhalb der Organisation.

Unter dem Motto „ZusammenArbeiten für unsere Stadt – Wir gestalten gemeinsam Wien“ waren alle Fachbereiche und Eigenbetriebe aufgerufen, Projekte einzureichen, bei denen die Zusammenarbeit besonders ausgeprägt war.

Das Goldene Staffelholz

Das „Goldene Staffelholz“, Foto: David Bohmann

Wie 122 ganz unterschiedliche Einreichungen bewertet werden

Wer saß außer Dir in der Jury?

Ich fand es sehr schön, dass die Jury mit internen Kollegen_innen und externen Personen besetzt war. Mit dabei waren zum Beispiel Werner Gruber, der in Österreich durchaus berühmte Leiter des Planetariums Wien und Vertreter_innen anderer Verwaltungen.

Gruppenfoto der Jury

Gruppenfoto der Jury, Foto: David Bohmann

Wie wurden die Einreichungen für das „Goldene Staffelholz“ bewertet?

Es wurden 122 Einreichungen gemacht. Die Jury bewertete die Vorschläge in einem mehrstufigen Verfahren. Jedes Jury-Mitglied hat sich zunächst intensiv mit ca. 30 Einreichungen beschäftigt. Viele tolle Projekte waren dabei, die nach festgelegten Kriterien bewertet wurden. Einen großen Schwerpunkt hatten natürlich Aspekte der Zusammenarbeit. Aber auch der Nutzen für Wien und seine Bürger_innen sowie die nachvollziehbare Begründung waren ausschlaggebend.

Die Einreichungen waren wirklich extrem vielfältig. In meiner Wertungsgruppe war zum Beispiel das Smart City Pendant zu München. Die Wiener Kollegen des gemeinsamen EU-Projektes Smarter Together haben sich mit einem Vorschlag beteiligt. Ebenfalls dabei war ein Projekt, dass fachübergreifend für mehr innerstädtisches Grün gearbeitet hat. Hier erkennt man die Vielfalt der Themen, was es nicht einfach gemacht hat, eine Entscheidung zu treffen.

Besonders schwierig fand ich einen Ausgleich zu finden zwischen großen, weitreichenden Projekten und eher kleineren, internen Einreichungen. Aber auch die Jury-Organisation hat sehr viel Wert auf die dahingehende Chancengleichheit gelegt.

In einer Jurysitzung wurden die am höchsten bewerteten Einreichungen pro Wertungsgruppe nochmals ausführlich diskutiert. Auch der ein oder andere „Joker“ mit ganz besonderen Highlights wurde mit einbezogen. Letztlich haben wir uns gemeinsam auf 12 Gewinner_innen geeinigt.

Die Staffelholz-Träger 2018

Wer waren die Gewinner_innen?

Am 2. Oktober verlieh der Bürgermeister der Stadt Wien, Michael Ludwig, im festlichen Rahmen dann die diesjährigen Staffelhölzer. Gewonnen haben:

  • Wiener Ausbildungsgarantie
    Ziel des Projekts war, das bestehende Unterstützungs- und Ausbildungsangebot besser auf Jugendliche abzustimmen.
  • Gemeinsam sicher wohnen im Gemeindebau
    Durch Vernetzung von verschiedenen Bereichen der Stadt mit der Wiener Polizei wird das Sicherheitsgefühl der Bewohner_innen rasch und unbürokratisch verbessert. Zudem werden kriminalpräventive Maßnahmen gesetzt.
  • Lebensmittelverschwendung
    Die Stadt Wien ermöglicht es, einwandfreie Lebensmittel an „Fair-Teiler-Organisationen“ abzugeben, bevor sie weggeworfen werden.
  • Der 48er Tandler
    Abfallvermeidung durch Wiederverwendung und Verkauf in einem eigenen Shop. Da haben wir in München beim AWM ein vergleichbares Projekt.
  • Raum- und Verkehrsbezugssystem Wien
    Schaffung einer österreichweiten, einheitlichen und stetig aktualisierten Plattform mit Infos zum Verkehrsnetz.
  • Wien gibt Raum
    Im Rahmen des Projekts „Wien gibt Raum“ werden Anträge und Genehmigungen zur Nutzung des öffentlichen Raums auch über das Internet möglich.
  • 1450 Gesundheitsberatung
    Etablierung eines telefonischen Services, der zu jeder Tages- und Nachtzeit Auskunft gibt über individuelle medizinische Versorgung.
  • Bürger_innen-App Sag’s Wien
    Per Handy-Applikation lassen sich mit wenigen Klicks Störfälle und Mängel der Infrastruktur an die Stadt melden.
  • Agiles Team: Citylogistik-Hub
    Onlinehandel und Paketzustellung nehmen immer weiter zu und haben Einfluss auf das Verkehrsaufkommen. Die Lösung: ein Verteilerzentrum (Hub) am Stadtrand zur Bündelung der Lieferfahrten ins Stadtgebiet.
  • Connect family day center
    Die Zusammenarbeit brachte 2015 – am Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung – innerhalb von nur 36 Stunden die Errichtung eines eigenen Bereichs für die Versorgung von Familien mit Kindern.
  • Neue Energie für armutsgefährdete Haushalte
    Durch kostenlose Beratungen den Energieverbrauch in armutsgefährdeten Haushalten nachhaltig senken.
  • CORE – Integration im Zentrum
    Das Gemeinschaftsprojekt CORE steht geflüchteten Menschen zur Seite, selbst Angebote zur Integration zu gestalten und sich gegenseitig zu helfen.
Die Gewinner

Die Gewinner_innen des „Goldenen Staffelholzes“, Foto: David Bohmann

Erfolge feiern, Wertschätzung und Wir-Gefühl

Was war für Dich das Besondere am „Goldenen Staffelholz“?

Das gibt es so einige Dinge, die mir besonders gefallen haben. So war die Qualität der Einreichungen beeindruckend. Viele Teams haben in Eigenregie Videos erstellt, die Teil der Bewerbung waren.

Ich finde das „Goldende Staffelholz“ eine schöne Möglichkeit, intern Erfolge zu feiern. In großen Organisationen wie Wien und München wissen die Kollegen_innen des einen nicht unbedingt etwas über die Arbeit des anderen Bereiches. Durch das „Goldene Staffelholz“ werden die tolle Zusammenarbeit und die schnellen, effektiven Ergebnisse für alle Beschäftigten sichtbar.

Außerdem stärkt das gemeinsame Feiern von Erfolgen das Wir-Gefühl. Genau das war bei der städtischen Mitarbeiterbefragung  der Stadtverwaltung München 2013 eines der bedeutendsten Handlungsfelder.

Letztlich zeigt die Verleihung natürlich Wertschätzung seitens der Politik und der Entscheider_innen für die Arbeit der Kollegen_innen.

Gruppenbild

Alle Beteiligten am „Goldenen Staffelholz“ 2018, Foto: David Bohmann

Was hast Du sonst noch mitgenommen? Gibt es etwas, was Du persönlich gelernt hast?

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die einzelnen, ganz unterschiedlichen Fachbereiche der Stadt Wien sehr offen und transparent miteinander umgehen und kollegial zusammenarbeiten. Auch habe ich gesehen, dass Wien bei der Digitalisierung sowohl hinsichtlich Technik, als auch Kulturwandel wichtige Schritte gegangen ist. Zu erwähnen wäre da neben dem Mängelmelder sicherlich der Wien Bot, den wir bereits 2017 auf dem Open Government Tag eingeladen hatten. Gerade der Mängelmelder hat die städtische Zusammenarbeit und die Prozesse einmal umgekrempelt. Das ist höchst spannend, da Mängelmelder und Chat Bot auch bei uns im Projekt anstehen. Schön, dass wir dazu mit den Wienern im Austausch bleiben können. Frau Dr. Schmied wird dazu sicherlich auch einiges auf dem Open Government Tag am 25. Oktober sagen.

Wie denkst Du, wäre das „Goldenen Staffelholz“ auf München übertragbar? Würdest Du dabei etwas anders machen?

Ich bin der Überzeugung, dass wir in der Landeshauptstadt München einen Award innerhalb der Stadt für Ideen, Projekte und herausragende Ergebnisse brauchen. Kriterien können Innovation für die Stadtverwaltung, eine besondere Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche oder ein großer Mehrwert für die Bürger_innen sein. Wichtig ist mir dabei, dass wir durch einen solchen Wettbewerb voneinander lernen und auch enger zusammenrücken.

Neben den internen Effekten würde ich hier in München aber auch auf das externe Marketing besonderen Wert legen. Die öffentliche Verwaltung muss transparenter werden – gerade was deren Leistungsfähigkeit angeht. Wir müssen viel selbstbewusster zeigen, was gut läuft. Daher würde ich den Award nicht nur als rein internen Prozess gestalten. Vielleicht könnten auch Bürger_innen mit abstimmen. Aber vielleicht muss ich das als Öffentlichkeitsarbeiter im E- und Open Government auch sagen 😉

Stefan, Danke für Deine Einblicke und für das Interview.

Team E- und Open-Government der Landeshauptstadt München

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