Keine Denkverbote: Das Innovationscenter nimmt seine Arbeit auf.

Anfang März ist das Innovationscenter im IT-Referat der Stadt München gestartet. Wir sprachen mit Manuela Hiesch, Studentin der Wirtschaftsinformatik und Mitglied im Praktikantenteam des Centers, über Zielsetzung, aktuelle Themen und ihre persönlichen Erwartungen.

Agiles Arbeiten, Platz für Ideen

Liebe Manuela, was ist das Innovationscenter eigentlich?

Manuela Hiesch vom Innovationscenter

Manuela Hiesch vom Innovationscenter, Quelle: RIT

Wir haben an verschiedenen Stellen festgestellt, dass wir bei der Stadt etwas hinterher sind, wenn es um die Art und Weise geht, wie wir intern zusammenarbeiten. Aus dieser Erkenntnis heraus hat Lutz Steffen Schmidt, Leiter des Geschäftsbereichs Werkzeuge und Infrastruktur, zusammen mit unserem CDO, Thomas Bönig, die Idee für ein Innovationscenter entwickelt. Ein Ort, an dem es keine Denkverbote gibt.

Hier werden zum einen neue Arbeitsmethoden und vor allem die agile Zusammenarbeit zum Beispiel mit Scrum (englische Seite) ausprobiert. Dabei wollen wir schauen, inwiefern diese für uns sinnvoll sind oder nicht. Aber wir machen auch so verrückte Sachen, wie unsere zwei Pepper-Roboter mit Namen MUCI und DIDI zu programmieren.

Es geht beim Innovationscenter zum anderen darum, Platz für Ideen zu schaffen. Und zwar gar nicht nur von uns, sondern auch von anderen Kolleginnen und Kollegen. Wenn jemand zum Beispiel etwas aufschnappt oder auf einer Veranstaltung etwas Innovatives erlebt, dann ist das Innovationscenter der Ort, wo genau diese Ideen hineingetragen werden können. Dann kann er oder sie das Thema entweder selber treiben, oder als Auftrag an uns geben. Wir schauen dann, was wir für die Landeshauptstadt daraus für eine innovative und sinnvolle Lösung entwickeln können.

Wer ist „wir“?

Neben einem kleinen Kernteam sind wir zehn Wirtschaftsinformatik-Studierende. Wir sind konstant ein halbes Jahr hier im Innovationscenter. Sieben von uns sind aktuell im vierten Semester, drei sind im zweiten Semester. Das ist sehr gut, da durch unterschiedliche Vorlesungstage das Innovationscenter immer besetzt ist. Dadurch arbeiten wir die ganze Woche an den Projekten und nichts stagniert.

Roboter für die Verwaltung

Was für Themen und Projekte habt ihr jetzt am Anfang so auf dem Tisch?

Roboter MUCI wird zum Bibliothekshelfer ausgebildet

Roboter MUCI wird zum Bibliothekshelfer ausgebildet, Quelle: RIT

Wir haben eine ganze Reihe von Themen in der Pipeline. Die zwei Roboter sind aktuell natürlich am sichtbarsten. Für diese kleinen Gefährten entwickeln wir gerade verschiedene Use Cases, und sie werden entsprechend trainiert. Sieben von zehn Mitgliedern des Praktikanten-Teams sind momentan in diesem Projekt involviert.

Bei den anderen Projekten geht es vorrangig um Themen wie Arbeitsplatzaufbau und -methodik: Wie kann die Arbeitsumgebung bei der Landeshauptstadt in Zukunft aussehen, damit die Zusammenarbeit bestmöglich gelingt? Welche Methoden und technologische Unterstützung sind sinnvoll? Da geht es sowohl um ein übergreifendes Raumkonzept, wie auch um die Erprobung verschiedener Tools und Kommunikationslösungen im Bereich Videokonferenztechnik. Dabei schauen wir uns auch Workspace-Konzepte von Unternehmen wie Google oder Microsoft an, um von ihnen zu lernen. Da haben wir durch das FutureCamp schon einige Einblicke erhalten.

Ein weiterer Punkt ist das agile Arbeiten selbst. Da gibt es bei der Stadt noch nicht so viel Praxisbeispiele. Im Moment läuft es dahingehend noch sehr „klassisch“. Das verlangsamt diese Prozesse enorm. Wir wollen helfen, dass die Stadtverwaltung insgesamt schneller wird.

Worauf trainiert ihr diese Roboter?

Die Grundidee ist, dass sie im Kreisverwaltungsreferat oder auch in den städtischen Bibliotheken eingesetzt werden sollen, um die dort anfallenden, typischen Fragen zu beantworten. Fragen wie zum Beispiel ‚Wo finde ich dieses Buch?‘ oder ‚Wer ist der richtige Ansprechpartner?‘ können Roboter nach entsprechender Programmierung gut beantworten. Im Moment klären wir, wie sie auf die relevanten Datenbanken zugreifen können. Wir testen aber auch, wie man die Roboter ansprechen kann, damit sie die passende Antwort geben.

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Erwartungen und Ziele

Gibt es klar formulierte Ziele und Fristen?

Agile Entwicklung von UseCases

Heini Angler und Manuela Hiesch mit MUCI, Quelle: RIT

Wir haben natürlich Deadlines. Anfang Mai zum Beispiel ist ein Design Thinking-Workshop für Nachwuchskräfte angesetzt, bis zu dem die Planung hinsichtlich Material, Ressourcen und Timeline stehen soll.

Jeden Mittwoch gibt es einen festen wöchentlichen Austausch, und jeden Morgen ein Daily Standup. Dort informieren wir uns gegenseitig, was seit dem letzten „Daily“ passiert ist und was heute passieren soll. Wir sind also schon in einem agilen Modus unterwegs, was für uns natürlich eine wertvolle Erfahrung ist.

Unsere Erwartung ist natürlich, dass wir in den sechs Monaten, die wir jetzt in dieser Konstellation zusammenarbeiten werden, auch etwas wirklich Cooles hinbekommen, das dann auch Eingang in das Arbeits- oder Privatleben vieler Menschen findet.

Was ist deine persönliche Erwartung in Bezug auf das Innovationscenter?

Also ich hoffe, dass die internen Verfahren durch unsere Arbeit beschleunigt werden. Zum Beispiel wäre es schön, wenn Kolleginnen und Kollegen ein Whiteboard oder eine VR Brille brauchen, diese einfach bestellen und so schnell wir möglich loslegen können. Ohne die aktuellen, mehrstufigen Prüfungsprozesse und aufwändigen Antragsverfahren, die gefühlt ein Jahr brauchen. Was ich meine, ist, dass wir ein gewisses disruptives Potenzial entwickeln und etablierte Prozesse daraufhin hinterfragen, ob es nicht besser, schneller und einfacher geht.

Bestenfalls können wir wertvolle Impulse liefert, wenn es um das Neudenken von Geschäftsprozessen der Stadtverwaltung geht – auch jenseits dieses Innovationscenters.

Danke für das Gespräch, liebe Manuela!

Ein Beitrag unter Mitwirkung von Benjamin Wimmer

Team E- und Open-Government der Landeshauptstadt München

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